Helden und Schurken
Als Autor bin ich Held*innenerfinder. Manchmal erfinden sich diese ganz von alleine. Sie sind plötzlich da. Sie entwickeln sich in Lichtgeschwindigkeit aus dem Funken einer spontanen Inspiration heraus. Bei anderen Figuren ist es hingegen harte Arbeit, um sie aus dem Nichts zu erschaffen. Wie an einem Golem knete ich an ihnen herum, nur dass mein Material nicht Lehm, sondern Worte sind. Doch im Nachhinein ist es völlig egal, ob es eine leichte oder eine schwere Geburt war. Ich liebe alle meine Schöpfungen.
Bei der Kreation meiner Helden und Schurken gefällt es mir nicht Schwarzweiß zu denken. Ein Held der nur stark ist und keine Schwächen zeigt, ist so sexy wie Ken (der Partner von Barbie!) wenn man ihn auszieht und sieht, dass sein Schöpfer ein kleines Detail vergessen hat.
Stärken und Tugenden machen einen Charakter vielleicht heroisch, aber es sind seine Makel und Schwächen, die ihm Menschlichkeit verleihen und ihm auch erst die Fähigkeit geben über gut und böse zu urteilen.
Auch bei den Schurken ist es mir zu eintönig, wenn sie ausschließlich böse sind und nur die dunkle Seite repräsentieren. Viel spannender ist es, wenn sie einen kleinen gut versteckten oder auch verdrängten Lichtpunkt besitzen, den sie durch ihre Taten stets selbst verraten. So steht der Antagonist nicht nur im Konflikt mit dem Helden, sondern führt gleichzeitig auch immer einen inneren Kampf mit sich selbst.

